Das Buch
Er hat Sitzungen geleitet, Entscheidungen getroffen, Räume gefüllt. Und irgendwann aufgehört zu merken, dass er dabei nicht mehr wirklich da war.
Die Kündigung ist kein Buch über das Scheitern. Und kein Buch über den Aufstieg danach. Es ist das Protokoll eines Mannes, der lernt, sich selbst nicht mehr zu überhören – in 35 kurzen Kapiteln, die zusammen ein ganzes Leben beschreiben.
Kapitel wie Atemzüge. Eine Sprache, die weglässt, statt zu erklären. Für alle, die das Gefühl kennen, in einem Leben zu funktionieren, das längst ohne sie weiterläuft.
Leseprobe
Prolog & erstes Kapitel
Prolog
Wann und wie hat er erkannt, dass seine Zeit als Manager zu Ende geht, wo sein Wirken doch gerade erst begonnen hat – so viel Zeit ist schon verstrichen und so wenig hat er doch erst erreicht. Wo ist nur die Zeit geblieben, wann haben sich die Vorstellungen gegen die Realität gegenseitig aufgelöst.
Wo sind die Träume geblieben?
Dass seine Zeit zu Ende geht, hat er erkannt, als er während Sitzungen alles nur mehr violett gesehen hat; beim Blick aus dem Fenster und dem Bild des Sonnenscheines in den großen Glasscheiben, hat er nur mehr Beklemmung und Angst gespürt und das Gefühl das Leben zu verpassen.
Alles hat sich in ihm zusammengeschnürt und der Blick hat sich verengt und sein Geist ist weggedriftet und er hat gewusst, hier will er nicht mehr sein!
Was mache ich hier nur?
Akt I
Kapitel 1 — Der Raum
Der Raum war gefüllt, ohne laut zu sein. Gespräche lagen in der Luft, überlappten sich, lösten sich wieder, ohne dass ein einzelnes hervorstach. Stimmen, die einander aufnahmen, weiterführten, sich bestätigten. Gläser wurden bewegt, abgestellt, erneut angehoben. Ein gleichmäßiger Ablauf, der keinen Anfang brauchte.
Er stand mittendrin. Nicht am Rand. Nicht beobachtend. Ein Teil davon.
Jemand sprach ihn an, nannte seinen Namen, stellte eine Frage, die er nicht wirklich hörte und trotzdem verstand. Er antwortete, ohne nachzudenken. Der Satz passte. Wie die anderen davor. Ein leichtes Nicken, ein kurzes Lächeln, dann ging es weiter.
Es fiel ihm nicht schwer. Es hatte ihm nie Mühe gemacht.
Ein Thema ging ins nächste über, Zahlen wurden genannt, Einschätzungen, kleine Verschiebungen in der Tonlage, wenn etwas Gewicht bekam. Er griff es auf, führte es weiter, ließ es wieder los. Es war kein bewusstes Mitgehen. Eher etwas, das sich von selbst einstellte.
Neben ihm wurde gelacht, jemand legte eine Hand auf seine Schulter, nur kurz, als Zeichen, dass man sich verstand. Er erwiderte es, ohne darüber nachzudenken.
Alles funktionierte. Die Abläufe, die Worte, die Reaktionen.
Er bewegte sich durch den Raum, ohne sich zu orientieren, blieb hier stehen, dort einen Moment länger, als hätte jede Bewegung ihren Platz, auch wenn niemand ihn vorgab.
Es war vertraut. Nicht im Detail. Eher in der Form.
Als würde sich alles wiederholen, ohne sich zu wiederholen. Ein Glas wurde ihm gereicht. Er nahm es, hielt es in der Hand, spürte das Gewicht, ohne darauf zu achten. Jemand begann zu erzählen, etwas, das weitergedacht werden musste, eine Entscheidung, die noch offen war. Er hörte zu, sagte etwas dazu, nicht viel, nur so viel, dass es weiterging. Die anderen griffen es auf, nickten, ergänzten.
Es lief. Er merkte, wie leicht es war, sich darin zu bewegen.
Kein Zögern. Kein Innehalten.
Wenn ein Gespräch endete, begann das nächste, ohne dass es einen Übergang brauchte. Er musste nichts suchen. Es ergab sich.
Ein Blick traf ihn, zustimmend, fast erwartend. Er erwiderte ihn, kurz, und wusste im selben Moment, was gemeint war. Es war immer so gewesen.
Und während er dort stand, fiel ihm auf, dass er nichts daran infrage stellte. Nicht, weil es richtig war. Eher, weil es sich nicht stellte.
Ein Satz tauchte auf, leise, ohne Zusammenhang.
Was machst du hier eigentlich.
Er blieb nicht daran hängen. Das Gespräch vor ihm lief weiter, jemand stellte eine Frage, er antwortete, als hätte es keinen Bruch gegeben. Der Satz war noch da. Nicht laut. Nicht drängend. Eher wie etwas, das mitging, ohne sich einzumischen.
Es passte. Wie alles andere auch.
Über den Autor
Alex N Stel
Alex N Stel ist ein Pseudonym. Mehr muss man über den Autor nicht wissen – und vielleicht ist genau das der Punkt.
Er kam aus einer Welt der Zahlen und Entscheidungen, aus Verantwortung und vollen Terminkalendern – und hat doch immer auf das geschaut, was sich nicht berechnen lässt: was zwischen Menschen geschieht, zwischen den Zeilen, im Raum statt in den Tabellen. Aus dieser Spannung ist „Die Kündigung“ entstanden, sein erstes Buch.
Geschrieben in einer reduzierten Sprache, die mehr auslässt, als sie sagt – kurze Kapitel wie Atemzüge. Wer schreibt, bleibt im Hintergrund. Was bleibt, ist das Buch.
Erhältlich
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